Wie aber sieht nun diese revolutionäre Art der Psychologie aus? Lassen wir hier am besten Samael Aun Weor selbst in den folgenden Auszügen seiner Bücher antworten:
Das psychologische Ich mit seinen unerwünschten Bestandteilen muss dringend und unverzüglich zerlegt und aufgelöst werden; das ist der Sinn der Arbeit an uns selbst.
Nie könnten wir die Essenz befreien ohne vorher das psychologische Ich aufzulösen.
In der Essenz befindet sich die Religion, die Buddhanatur, die Weisheit, das Leiden unseres himmlischen Vaters - in ihr sind alle Daten gespeichert, die für die innere Verwirklichung des Seins notwendig sind.
Niemand könnte das psychologische Ich auflösen, ohne zuerst die unmenschlichen Bestandteile auszumerzen, die er in sich trägt ...
Es liegt auf der Hand, das jemand, der ernsthaft anfängt sich selbst vom Standpunkt aus zu beobachten, dass er nicht „Eins“ sondern „Viele“ ist, tatsächlich begonnen hat an all jenem zu arbeiten, das er in seinem Inneren trägt.
Derjenige, der die Lehre der vielen Ichs akzeptiert, begreift auf Grund seiner Beobachtungen, dass jeder Wunsch, jeder Gedanke, jede Handlung, jede Leidenschaft einem anderen, unterschiedlichen Ich entspringt. Jeder, der sich innerlich selbst beobachtet, arbeitet demnach ernsthaft an sich selbst und bemüht sich, die verschiedenen unerwünschten Elemente in seinem Inneren von seiner Psyche zu trennen.
Wenn jemand wirklich und ehrlich anfängt sich innerlich zu beobachten, teilt er sich in zwei: in den Beobachter und den Beobachteten. Wenn eine solche Teilung nicht stattfindet, fahren wir fort, uns mit allen Vorgängen des pluralen Ichs zu identifizieren. Auf welche Weise könnte jemand sich selbst beobachten, wenn er sich nicht vorher in Beobachter und Beobachteter geteilt hätte?
Niemand kann anfangen sich radikal zu ändern, so lange er nicht sagen kann: „Dieses Verlangen ist ein tierisches Ich, das ich ausmerzen muss; dieser egoistische Gedanke ist ein anderes Ich, das mich quält und das ich auflösen muss; dieses Gefühl, das mein Herz betrübt ist ein Eindringling, den ich zu kosmischem Staub machen muss“ und so weiter …
Die unumgängliche Voraussetzung dafür ist freilich, sich in Beobachter und Beobachteter zu teilen.
Die Beobachtung unserer mechanischen Reaktionen auf all die Einzelheiten zu Hause – im Schlafzimmer, beim Essen, in der Familie - auf der Straße, bei der Arbeit und so weiter, die Beobachtung der Gedanken, Äußerungen und Gefühle ist zweifellos das Beste. Das Wichtigste ist dann zu prüfen, wie man diese Reaktionen ändern kann; halten wir uns aber für gute Menschen, die sich nie falsch oder unbewusst benehmen, werden wir uns nie ändern.
Vor allem müssen wir erkennen, dass wir mechanische Wesen sind, einfache Marionetten, die durch unbekannte Kräfte, das heißt durch verborgene Ichs gesteuert werden. Fangen wir damit an, uns während eines kleinen Teils des Tages bewusst zu verhalten. Wir müssen aufhören, Maschinen zu sein, sei es auch nur für einige Minuten am Tag! Unser Leben wird dadurch entscheidend beeinflusst. Wenn wir uns selbst beobachten und nicht nur das tun, was dieses oder jenes Ich will, fangen wir in der Tat damit an, unser Marionettendasein langsam aufzugeben. Ein einziger Moment, in dem man genügend bewusst ist und aufhört eine Maschine zu sein – sofern das freiwillig geschieht – bewirkt eine radikale Änderung vieler unangenehmer Umstände.
Um an sich selbst zu arbeiten ist es unerlässlich, an seinem Alltag zu arbeiten, jetzt, noch heute – dann wird man verstehen, was jener Satz im „Vater Unser“ bedeutet: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Der Satz „tägliches Brot“ bedeutet das „Brot der Weisheit“ oder wie die Griechen sagten, das „Brot von Oben“.
Kennen und Beobachten ist nicht dasselbe. Viele verwechseln die Selbst-Beobachtung mit dem Erkennen. Man erkennt, dass man auf einem Stuhl in einem Raum sitzt, was aber nicht bedeutet, dass man den Stuhl beobachtet. Die Selbst-Beobachtung ist hundertprozentig aktiv, sie ist ein Mittel zur eigenen Veränderung, während das Kennen passiv ist und nichts bewirkt.
Wenn wir grundlos Widerwillen gegen eine Person empfinden, einfach weil sie uns nicht passt, müssen wir die dabei in unserem Geist auftauchende Gedankenvielfalt beobachten, die chaotischen, schreienden Stimmen in uns vernehmen und hören, was sie sagen, die unangenehmen Erregungen aus unserem Inneren und den unangenehmen Geschmack wahrnehmen, der in unserer Psyche verbleibt, und so weiter. In einem solchen Zustand bemerken wir klar, dass wir innerlich diesen Menschen, gegen den wir Antipathie empfinden, sehr schlecht behandeln. Aber um dies alles wahrzunehmen genügt es nicht, passiv aufmerksam zu sein, sondern es bedarf einer dynamischen, absichtlich nach Innen gerichteten Aufmerksamkeit. Die dynamische Aufmerksamkeit stammt vom Beobachter, während die Gedanken und Emotionen das zu Beobachtende sind.
Wir müssen die verschiedenen Ichs in Aktion wahrnehmen und sie in unserer Psyche entdecken. Wir müssen verstehen, dass in jedem von ihnen ein bestimmter Prozentsatz unseres eigenen Bewusstseins gebunden ist und wir müssen bereuen, diese Ichs geschaffen zu haben. Dann werden wir ausrufen: „Was tut denn dieses Ich? Was will es? Was sagt es? Weshalb quält es mich mit seiner Wollust, mit seinem Zorn?“ So werden wir in uns die Gedankenketten sehen, die Gefühle, Begierden, Leidenschaften, private Komödien, persönliche Dramen, geschliffene Lügen, Überlegungen, Ausreden, Perversitäten, Wollustszenen, Laszivität und so weiter.
SICH LOSLÖSEN VON FASZINATION UND IDENTIFIKATION
Leben wir im Zustand der achtsamen Wahrnehmung, des achtsamen Erfassens von Neuem, können wir in unmittelbarer Weise feststellen, dass unsere verborgenen Fehler spontan zutage treten. An einem so entdeckten Fehler müssen wir natürlich bewusst arbeiten, um ihn aus unserer Psyche herauszulösen.
Vor allem dürfen wir uns niemals mit irgendeinem Defekt identifizieren, wenn wir ihn ehrlich und ernsthaft eliminieren wollen.
Wenn wir auf einem Brett stehen, das wir an die Wand lehnen möchten, werden wir es nie dorthin bringen, solange wir darauf stehen bleiben. Wir müssen logischerweise zuerst vom Brett wegtreten, erst dann können wir mit unseren Händen das Brett aufheben und es an die Wand stellen. Ähnlich ist es mit uns: Wir dürfen uns mit keinem psychologischen Aggregat identifizieren, wenn wir ernsthaft anstreben, es aus unserer Psyche auszumerzen. Identifiziert man sich mit diesem oder jenem Ich, stärkt man es anstatt es aufzulösen.
Szenen des Zorns, der Eifersucht und anderer Geschehnisse des täglichen Lebens erweisen sich als nützliche Hilfe, wenn wir uns im Zustand der konstanten Selbst-Beobachtung befinden. Wir stellen dann fest, dass weder unsere Gedanken noch unsere Wünsche und Handlungen uns selbst gehören. Ohne Zweifel greifen vielfältige Ichs als unheilvolle Eindringlinge ein, um unserem Geist Gedanken, unserem Herzen Emotionen und unserem motorischen Zentrum Bewegungen irgendeiner Art einzugeben. Traurig ist es, dass wir nicht Herr unserer selbst sind, dass verschiedene psychologische Wesenheiten mit uns eigentlich machen, was sie gerade wollen. Wir allerdings ahnen nicht im Mindesten, was mit uns geschieht. Wir handeln wie einfache Marionetten, die an unsichtbaren Fäden hängen. Am schlimmsten aber ist, dass wir, statt uns von diesen geheimen Tyrannen zu befreien, den Fehler begehen, diese immer wieder zu stärken und das geschieht, wenn wir uns identifizieren.
ZWEI ARTEN VON WISSEN
Als Schlussfolgerung bestätigen wir nachdrücklich, dass es zwei Arten des Wissens gibt: Das äußere Wissen und das innere. Nur wenn wir jenes magnetische Zentrum in uns haben, das die verschiedenen Qualitäten dieser zwei Wissensarten zu unterscheiden vermag, vermeiden wir eine Vermischung dieser zwei Ebenen oder Kategorien von Ideen, die uns verwirren würde.
Erhabene pseudo-esoterische Lehren mit tiefer Wissenschaftsgläubigkeit gehören in den Bereich des Beobachtbaren. Trotzdem werden sie von vielen Schülern für inneres Wissen gehalten.
Wir stehen also vor zwei Welten - der äußeren und der inneren Welt. Die erste wird durch die Sinne wahrgenommen, die zweite kann nur durch den Sinn der inneren Selbst-Beobachtung wahrgenommen werden.
Gedanken, Ideen, Gemütsbewegungen, Wünsche, Hoffnungen, Enttäuschungen und so weiter sind innerlich, unsichtbar für die gewöhnlichen Sinne, sind für uns aber realer als der Tisch oder der Sessel des Wohnzimmers.
Es ist wohl unbestritten, dass wir mehr in unserer inneren als in der äußeren Welt leben.
In unseren inneren Welten, in unserer geheimen Welt lieben, wünschen, argwöhnen, segnen, verdammen, ersehnen, leiden, genießen wir, werden wir enttäuscht, belohnt und so weiter ...
Fraglos kann die äußere und die innere Welt durch Erfahrung bewiesen werden. Die äußere Welt kann beobachtet werden, die innere Welt kann man in sich selbst, im Hier und Jetzt wahrnehmen.
Der Sinn der Selbst-Beobachtung ist in unserer dekadenten Rasse in diesem gegenwärtigen, finsteren Zeitalter völlig verkümmert.
Der Sinn der inneren Selbst-Beobachtung wird sich in dem Maße entwickeln, wie wir uns in der Selbst-Beobachtung anstrengen.
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