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Die Apokryphen Schriften
Die Bezeichnung Apokryphe Schriften bezieht sich auf verbotene oder verborgene Evangelien, welche nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden. Der Begriff wurde im 2. Jhdt. von christlichen Theologen wie z.B. Tertullian oder Irenäus von Lyon geprägt und bedeutete anfangs nicht nur „außerkanonisch“, sondern zugleich „häretisch“: Er wertete die ausgegrenzten Schriften als Irrlehre oder Fälschung ab.
Ende des 4. Jhdts. hatte der Begriff „apokryph“ im Christentum jedoch endgültig eine negative Bedeutung. Nun wurden in der gesamten Kirche, d.h. in der östlichen und westlichen, diese Schriften verboten. Die Synode von Karthago 397 n. Chr. Lässt verlauten: „Es wurde beschlossen, dass außer den kanonischen Schriften nichts unter dem Namen göttliche Schriften verlesen werden soll.“ |
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Wenn man sich dann noch an den Text des „Decretum Gelesanium“ zu Beginn des 6. Jhdts. erinnert, der auch von Verbannung und Verurteilung der apokryphen Schriften spricht, so wird deutlich, dass aus den eigentlich geheimen bzw. verborgenen Evangelien schlussendlich verbotene Bücher wurden.
Durch fundierte Forschungsarbeiten im Bereich der Religionsgeschichte, wie z.B. von Elaine Pagels, wissen wir aber heute, dass diese Einteilung in „richtige“ und „falsche“ Evangelien zu jener Zeit von äusserst subjektiver Art war und stark von Machtinteressen bis hin zu religiösem Fanatismus geprägt und beeinflusst wurde.
Durch den Fund von Nag Hammadi im Jahre 1945 wurde der Forscherwelt ein unsagbar wertvoller Schatz zu apokryphen Schriften zugänglich, der eine neue Sichtweise auf die damit verbunden Geistesströmung und vor allem auf das gnostische Gedankengut freigab.
Zum ersten Mal haben wir hier die Gelegenheit jene ursprünglichen Quellen zu studieren, welche später von den Bischöfen als häretische Schriften verdammt und ausgemerzt wurden. |
Nun machen sich viele sogenannte Spezialisten auf, um die Texte zu übersetzen und ihre Thesen und Abhandlungen, Vorträge und Bücher über die Gnostiker und ihre Doktrin zu verfassen. Ihre grosse Einschränkung liegt jedoch darin, dass sie trotz ihrer guten Absichten nicht direkt in Verbindung mit der gnostischen Tradition stehen, und so lässt sich logisch folgern, dass diese Autoren oder Kritiker nicht die intime innere gnostische Revelation oder Offenbarung kennen. Sie ignorieren die Verbindung zwischen Lehrer (Meister) und Schüler (Jünger), sie kennen die Fähigkeit des „intuitiven Erfassens“ und dem damit in Verbindung stehenden Entschleiern heiliger Schriften nicht, und das korrekte Erfassen des gnostischen Mythos scheint weit entfernt oder ist schlichtweg nicht möglich.
Nur wenige Ausnahmepersönlichkeiten sind es, die so wie Dr. C.G. Jung bekennen, dass „diese Gnostiker wahrlich die Psyche des Individuums kannten“.
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Abschliessend können wir sagen, dass es eine lange Kette traditioneller Überlieferung gnostischer Weisheiten gibt. Doch diese Tatsache allein reicht nicht aus, um eine Tradition in ihrer reinen Form aufrecht zu erhalten. Eine Tradition ohne den Aspekt der Revelation, der direkten Offenbarung oder Erkenntnis, tendiert mit der Zeit zu Verkümmern.
Die gnostische Wahrheit kann nicht innerhalb eines Vortrags überbracht werden, oder auf einem Blatt Papier festgehalten werden. Sie kann nicht systematisiert und auch nicht schematisiert werden, um sie für die Nachwelt zu konservieren. Die gnostische Wahrheit kann nur von Moment zu Moment erfahren werden, und nur diejenigen, welche so den gnostischen Einweihungsweg beschreiten, erlangen Zugang zur Gnosis des Vaters.
Diese sind dann in der Lage erneut die wahre Gnosis an ihre Schüler zu überliefern. Wenn aber die neuen Schüler ihrerseits nicht fähig sind, die Gnosis in sich zu inkarnieren, so werden sie nur unlebendige und kalte Meinungen anderer weitergeben können.
In den Texten von Nag Hammadi finden wir eine eindeutige Erklärung der Wichtigkeit der Rolle der Frau, klar ausgedrückt im Evangelium nach Phillipus und dem Evangelium der Maria Magdalena. Eine Abhandlung über die Wichtigkeit der Beziehung zwischen Meister und Jünger finden wir im Evangelium der Wahrheit.
Der Sinn der Auto-Gnosis, der Selbst-Erkenntnis, genauso wie die Rolle des inneren Christus wird uns ebenfalls in mehreren Schriften dargelegt (speziell im Thomasevangelium und im Evangelium der Wahrheit). Weiters finden wir klare Definitionen über die Wichtigkeit mit den Schöpferischen Energien innerhalb des Brautgemachs zu arbeiten (Phillipusevangelium).
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